Ada Lovelace (1815-1852) gilt als die erste Programmiererin der Welt. Sie steht symbolisch weitergedacht, für Algorithmen,  Informationen und Enthüllungen. Linda Lovelace (1949-2002) war die Protagonistin in dem Kult-Pornofilm „Deep Throat“ (zugleich das Pseudonym für Mark Felt, den Informanten in der Watergate-Affäre). Die Recherchen zu Watergate, die zum Sturz des amerikanisch Präsidenten Nixon geführt haben, gelten bis heute als Musterbeispiel für investigativen Journalismus.

Presskonferenzen sind höchst unterschiedliche Veranstaltungen: Pressekonferenzen können Gespräche sein, eine lockere Gesprächsrunde in Lokalen darstellen, die bloße Verkündigung von Informationen (die vielleicht wertlos sind) oder aber eine echte Nachrichten-Börse darstellen. Sie bieten Informationen, die ein Journalist andernfalls mühevoll zusammentragen müsste – Pressekonferenzen produzieren Nachrichten.

Exklusive Informationen

Die Suche nach exklusiven Informationen bedarf jedoch eines Vorgehens, das über das Einholen derartiger Informationen hinausgeht. Journalisten, die sich selbst Informationen beschaffen, gehören aufgrund des Produktionsdrucks und der Schnelllebigkeit der Medien – aber insbesondere wegen der ökonomischen Zwänge – heute zur Minderheit.  Nur diese Art der Informationsbeschaffung kommt aber der Wahrheit wirklich nahe, denn nur wer möglichst viele Details und Ansichten sammelt, sortiert, gewichtet und überschaubar präsentiert, betreibt Investigativen Journalismus.

Abb.: wikipedia/gemeinfrei
Ada Lovelace fragt: „Kann eine Maschine kreativ sein?“

Robert Redford und Dustin Hoffman zeigten 1976 in „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men) was Recherche bedeutet: Arbeit und Kleinarbeit, Härtnäckigkeit und Geduld, Raffinesse und List. Recherche als trickreiches Spiel, bei dem der Journalist bluffen und täuschen muss. Eine Story aufzubauen gleicht hier dem Prozess einer wissenschaftlichen Erkenntnissuche, einer detektivischen Spurensuche, einer Fahrt ins Ungewisse, denn der Journalist weiß nicht, was er enthüllen wird.

Ex-Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme beschrieb den Doppelcharakter journalistischer Arbeit folgendermaßen: Wir gehen nicht zu einer Pressekonferenz, damit wir etwas schreiben können; vielmehr schreiben wir, damit andere zu einer Pressekonferenz gerufen werden.

Für den Investigativen Journalismus können folgende Leitlinien gelten:

  • Verzicht auf die schnelle Sensation
  • Genaue Beobachtung
  • Das Führen vieler Gespräche und das Sammeln von Fakten
  • Das Sortieren von Fakten
  • Das Gewichten von Fakten
  • Das Schreiben der Story

Der Aufwand für eine solche Recherche ist ungewöhnlich zeitintensiv und von vielen Redaktionen nicht zu leisten, denn ein Thema muss durch Fragen eingekreist werden, der Journalist muss Jäger und Sammler sein, Leute müssen gefunden werden, die Ahnung haben und wertvolle Tips geben können. Es ist eine Suche nach kontroversen Ansichten, es geht immerfort  darum, Fakten aufzuspüren und diese zu prüfen. Dabei werden so viele eigene Beobachtungen wie möglich angestrebt.

Wasserdichte Story

Die Archivrecherche, die früher nur Journalisten bei großen Verlagen vorbehalten war, die über legendäre Archive verfügten, wird im Ubiquitous Computing für immer mehr Menschen möglich. Aber die leichte Zugänglichkeit zu Informationen entbindet nicht vom ehernen Gesetz des Enthüllungsjournalismus: Dass die Recherche „wasserdicht“ sein muss.

Bei eine Verlautbarung, die nicht stimmt, kann der Redakteur die Verantwortung auf den Urheber abwälzen, bei einer Reportage, kann er sich damit verteidigen, dass Subjektivität eine notwendige Begleiterscheinung jeder Interpretation sei, aber bei einer Recherche im Dienste des Investigativen Journalismus sind diese Fluchtwege versperrt: Der Journalist ist für alles verantwortlich, was er ermittelt und was er auslässt, er muss voll und ganz dafür einstehen, wie er die Indizien wertet und welches Urteil er fällt.

So wurde die Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher zum größten Skandal der bundesdeutschen Presse. Das Nachrichtenmagazin Stern veröffentlichte die von Maler, Kunstfälscher und Aktionskünstler Konrad Kujau erstellten Tagebücher 1983 ohne das endgültige Ergebnis einer Echtheitsuntersuchung eines Experten-Konsortiums  abzuwarten.

Wer recherchiert gehört zum Wächter der Demokratie, auch wenn er zunächst nur nachforscht, warum Wasser in einer Kläranlage kippt.

In einer Zeit, in der sich Bildmedien den Vorwurf gefallen lassen müssen, Wirklichkeiten erst zu produzieren (Paul Virilio, Krieg und Kino, Logistik der Wahrnehmung, 1984) stellt der Investigative Journalismus eine Form von Qualität dar, die auf die Authentizität von Informationen abstellt. Es ist die Suche nach der Wahrheit.

Abb.: Wikipedia/gemeinfrei

 

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