Was ist Wabi Sabi?

Eine Tasse fällt zu Boden und bekommt einen Sprung. Von nun an hat sie eine Geschichte. Und wenn dieser Sprung mit Gold aufgefüllt wird, dann wird vielleicht klar, worin die Wertschätzung dieser Handlung liegt. Im Blick auf diese Tasse, die durch den Makel nun noch schöner geworden ist (Kintsukouri).

Die Wurzeln von Wabi Sabi finden sich im Zen-Buddhismus wonach sich alles Sein im Wandel befindet – demnach ist nichts perfekt. Und Wabi Sabi stellt eine Möglichkeit dar, die Schönheit des Unvollkommenen und Unauffälligen in seiner tiefsten Essenz zu erfahren. Das Schönheitsideal organischer Formationen und die stille Autorität der Dinge durch ihre Präsenz.

Die Essenz

Der BBC Journalist Marcel Theroux reiste nach Japan um herauszufinden, was Wabi Sabi wirklich ist. (In Search of Wabi Sabi with Marcel Theroux). Und er fragte die Leute auf der Straße in Tokio und manche lachten und sagen: Du kannst Wabi Sabi nicht finden. Es ist im Herzen! Wabi Sabi ist nicht, die Dinge haben Wabi Sabi.

Ein Beispiel für Wabi Sabi ist die Japanische Teezeremonie. Denn auch hier geht es um die Natur der Schönheit. Um die Erschaffung eines Raums, in dem der Gastgeber und der Gast einen spirituellen Geist von Schönheit teilen, indem der Gast die Schönheit aus dem Setting der Szene heraus spürt. Dabei wird nicht gesprochen.

Entscheidend ist das Verständnis dafür, was wirklich wichtig ist. Alles, was nicht essentiell ist, wird weggelassen. Ein Wabi Sabi Künstler verzichtet auf alles, was nicht nötig ist. Letztlich aber kann man Wabi Sabi nicht definieren, denn die Sprache ist inadäquat, wenn es darum geht, den Begriff zu verstehen.

Gehen wir also durch das Wabi Sabi Tor und stellen wir weitere Fragen …

Doch was wir ahnen ist, dass Wabi Sabi sich nicht in Smartphones findet oder in den universalen und komplexen Netzwerken hochtechnisierter Hi-Tech Welten, im Internet der Dinge oder gar im transhumanistischen Körper. Kann ein Algorithmus also schön sein? Die Schönheit von Algorithmen kann in ihrer Einfachheit liegen. „Wir finden Algorithmen schön“, sagen manche Programmierer, „wenn sie eine gewisse Eleganz haben“. Und wenn ein Algorithmus mit einer guten Idee für viele Anwendungen funktioniert schwärmen Informatiker von seiner Eleganz und Schlichtheit. HASH sei ein solcher Algorithmus. „Hash erzeugt unter anderem Bitcoin. Schön kann man ihn nennen, weil er einer erstaunlich einfachen Grundidee folgt“, die aber die gesamte IT-Welt verändert hat und rasend schnell verändert (Quelle).

Und wie sieht es mit der Unvollkommenheit aus? Dem unperfekten Programmcode?

Logbuch-Seite des Mark II Aiken Relay Calculator mit dem ersten dokumentierten Bug (1947). Der Legende nach geht der Begriff Bug auf die Computerpionieren Grace Hopper zurück. Demnach soll sich eine Motte in einem Relais des Computers Mark II Aiken Relay Calculator verfangen haben, worauf es in Folge zu Fehlfunktionen kam. Die Motte wurde ins Logbuch geklebt.

Wabi Sabi Algorithmen? 

Ein Programmierfehler – ein Fehler in der Software, eine Anomalie wird manchmal als Bug bezeichnet. Dann verhält sich ein Computerprogramm nicht wie es sollte. Unvollständigkeiten, Ungenauigkeiten oder Mehrdeutigkeiten in Spezifikationen können zu Fehlern führen. Und derartige Fehler können teuer sein oder zu massiven Sicherheitslücken führen. Man denke an Programmierfehler in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Militär, Finanzwesen, Handel und im Bereich der medizinischen Versorgung.

Das Unvollständige läd uns zur Vervollständigung ein. Das Gebrochene will fixiert werden und der menschliche Geist wird oftmals aktiv und kreativ, wenn sich ein dringliches und ungelöstes Problem zeigt. In zunehmend computerisierten Umgebungen braucht es Kreativität, Flexibilität und unkonventionelle Gedanken, denn wenn etwas perfekt ist, dann gibt es keinen Platz mehr für Entwicklung.

Ob also Bugs Wabi Sabi haben, das ist schwer zu sagen. Vielleicht aber sollten wir darüber nachdenken…

..im Garten.

 

 

@Ubifacts 2017.