Ubicomput der Schöpfer von Morphismen

Abb.: Haeckl/gemeinfrei

Ein Herrscher, der sich spielerisch, nicht ernsthaft für die Existenz anderer Wesen interessiert und in den Köpfen der Menschen aus reiner Lust am Spiel die Biowissenschaften ins Spiel bringt. Er setzt die Idee der Morphismen und der Manipulation in unsere Köpfe und entzündet damit ein neues Feuer des Prometheus.

Die Mikrobiologie war bis zur DNA des menschlichen Lebens vorgestoßen und die Wissenschaftler konnten nun in den Code des Lebens eingreifen.  Für die Genetiker war der Schlachtruf damit klar. Wäre es für jeden, der diese Tools in Händen hätte.

Da ist unser neues Werkzeug! Machen wir etwas daraus. Es ist die Struktur erstarrter Musik.

Ubicomput sagte: Das ist das Liebeslied der Schöpfung.

Aber es gab Zweifel bei so manchem. Ich darf die Melodie der freien Gestaltungsmacht nicht anstimmen, weil mir Ethik und Moral im Wege stehen. Die Ethik-Kommission des Ubicomput war zwar eine leere Hülle, aber manche glaubten immer noch an ihren Inhalte. Aber der liquide Manifest-Träger, der einen hypernomadischen Lebensstil präferiert, verführte noch weiter und sagte: Spielt mit den Genen! Es sind schließlich Eure Gene. Do-it-yourself. Er zeigte dieses Spiel den Wissenschaftlern und allen anderen Menschen auch. Er machte das Spielzeug massentauglich und nannte es Open Source Biologie.

Neben der technischen Erweiterung durch Computer in den menschlichen Körpern stellt Biohacking eine weitere gesellschaftliche Strömung im Bereich des Transhumanismus dar. Vgl. Huges, Citizen Cyborg. Why Democratic Societies Must Respond to the Redisigned Human of the Future, Cambridge 2004. Eine philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern möchte. Besonders im angelsächsischen Raum finden sich viele Vertreter des Transhumanismus. Der Biologe und Eugeniker Julian Huxley hat in dem 1957 veröffentlichten Werk „New Bottles for New Wine“ den Begriff verwendet. Als bekannter Vertreter des Transhumanismus gilt zudem der iranisch-amerikanische Futurist Esfandiary, der seinen Namen in FM-2030 änderte.

Eine moderne Definition des Begriffes „Transhumanismus“ findet sich zudem bei Max More. „Transhumanismus ist eine Kategorie von Anschauungen, die uns in Richtung eines posthumanen Zustands führen. Transhumanismus teilt viele Aspekte mit dem Humanismus, einschließlich eines Respekts vor Vernunft und Wissenschaft, einer Verpflichtung zum Fortschritt und der Anerkennung des Wertes des menschlichen (oder transhumanen) Bestehens in diesem Leben. […] Transhumanismus unterscheidet sich vom Humanismus im Erkennen und Antizipieren der radikalen Änderungen in Natur und Möglichkeiten unseres Lebens durch verschiedenste wissenschaftliche und technologische Disziplinen […].“ http://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus.

Biohacking (auch Biopunk) bezeichnet eine kleine intellektuelle Bewegung, die Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle umfasst, die sich für einen offenen Zugang zu genetische Informationen einsetzt. Im Zentrum stehen Informationen, die durch die Bioinformatik generiert und produziert werden, insbesondere Open-Source für genetische Datensätze. Die Wissenschaftsjournalistin Annalee Newitz, die sich als Vertreterin dieser Strömung ansieht, formuliert die Forderungen der Bewegung mit den Worten: „Free our gentic data.“

Biologie würde nach dem Open Source Prinzip funktionieren, das sich auch im Bereich der Software zunehmend durchsetze. Damit könne die „Biotechnik von unten“ der etablierten Biotech-Industrie Konkurrenz machen, so wie die Open Source-Software seit den neunziger Jahren die Monopolstellung kommerzieller Softwareprodukte entkräftet habe. Die Führungsrolle in der Biotechnik werde sich von großen Konzernen hin zu kleinen Küchenlabors verlegen, die neue Biotechnik werden nicht zentral, sondern kleinteilig und dezentral stattfinden. Der irische Biohacker Cathal Garvey hat seine wissenschaftliche Karriere in einem Krebsforschungszentrum aufgegeben, um im eigenen Heimlabor seine Studien fortzuführen. Er sieht sich von den Garagengründungen der frühen IT-Unternehmen inspiriert. So ist es sein erklärtes Ziel, das Bakterium Bacillus subtilis, das im Erdreich vorkommt, zu einem Open-Source-Organismus zu machen.

Auf, auf in Eure Küchen und Garagen Ihr Forscherinnen und Forscher der Welt!

Dort sind die neuen Labors Gottes!

 

Abb.: Haeckl/gemeinfrei
Haeckel – Staatsqualle

 

Ubicomput sagte: Jetzt könnt Ihr euch selbst verbessern. Ihr habt begonnen, in eure Körper technische Gerätschaften zu implantieren,  also spielt mit Euren Organsimen.

Und so kam es, dass die Computerwissenschaften die Biowissenschaften infizierten.

Ubicomput sagte: Spielt euch das Land des Transhumanismus frei und schafft euch Herzen die tausende von Jahren schlagen!

 

Quellen und Nachweise:

Patterson gilt als Autorin des „A Biopunk Manifesto“ (siehe im Anhang dieser Arbeit). Im Kern fordern Biopunks: Das Manifest fordert Wissenschaftsfreiheit, die unabhängig von Geldern großer Universitäten, Regierungen und Labors großer Wirtschaftsunternehmen sei. Biopunks übernehmen Verantwortung für ihre Forschung, lehnen aber das Vorsorgeprinzip ab, das sie als paternalistischen Versuch große Unternehmen einstufen, Forschungsbestrebungen von unten zu unterdrücken. Was Biopunks antreibe, sei Erkenntnisdrang. Dabei habe ein dreizehn Jahre alter Junge ebenso das Recht die Welt zu untersuchen, wie ein Universitätsprofessor. Zum Vorsorgeprinzip in der Europäischen Union siehe Die Anwendbarkeit des Vorsorgeprinzips KOM (2002) 1 endgültig. Der selbsternannte „Transgenetische Künstler“ Eduardo Kac kreiert unter anderem den grün fluoreszierenden Hasen, der mit grün fluoreszierenden Proteinen versehen ist. Eduardo Kac errang in den achtziger Jahren als Pionier der Holopoesie und der Telepräsenz-Kunst internationale Anerkennung, in den neunziger Jahren schuf er die neuen Kategorien der Biotelematik und der transgenen Kunst. Er arbeitet mit elektronischen Medien und Photonentechnik, Robotertechnik und Internet und biologischen Systemen.

Einer der prominenten Schriftstelle aus dieser Szene ist Paul Di Filippo, der seine Erzählung ribofunk nennt. Er sieht die nächste Revolution im Bereich der Biologie.  Einer der Slogans lautet:  match it, batch it, latch it. BiOS (Biological Open Source/Biological Innovation for Open Society) ist eine Initiative, um das Open Source-Konzept auf biologische Innovationen auszudehnen. Betrieben wird es von einem gemeinnützigen Forschungsinstitut. Scott Maxwell, Meaning, Nihilism, Biotopes and Brains. Von der irischen Environmental Protection Agency hat sich Garvey eine Lizenz für ein Labor der „Klasse 1b“ besorgt, das bedeutet, er kann mit Mikroorganismen experimentieren, die ein vernachlässigbares Risiko für Umwelt und Öffentlichkeit bergen. Er arbeitet mit dem Computer und dort einen DNA-Ring entworfen der aus 3200 Basenpaaren besteht. Da finden sich Ansätze einer Verschmelzung von Mensch und Maschine im Bereich des Biological Computing/Cellular Programming. Bisher hatte man sich die Verbindung von Mensch und Maschine in den Biowissenschaften eher in Bezug auf den gesamten Organismus vorgestellt. Nun verlagert sich diese Verbindung zusehend auf die zelluläre Ebene.

Abb.: Haeckel/gemeinfrei

 

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