Satoshis Song

Im Jahr 1983 verfasste der Kryptologe David Chaum ein Paper mit dem Titel „Untraceable Electronic Mail, Return Addresses and Digital Pseudonyms“. (Chaum, Untraceable Electronic Mail, Return Addresses and Digital Pseudonyms, Communications of the ACM, Feb 1981, 24, Nr 2. C).

Die in diesem Paper vorgestellten Finanztransaktionen waren insofern einzigartig, als sie aufgrund einer Anzahl kryptografischer Protokolle funktionierten und zugleich anonym waren. Zwischenzeitlich ist klar, dass die Idee einer vollkommenen Anonymität nicht realisierbar ist, da die genutzten Pseudonyme, aus den unterschiedlichsten Gründen entschlüsselt werden können, doch soll hier zunächst eine andere Facette gezeigt werden. Auf Basis seines Konzeptes gründete Chaum im Jahr 1990 das elektronische Geldunternehmen DigiCash Inc., das jedoch ohne Erfolg blieb. Weltweit nutzten nur zwei Banken das System und der E-Commerce stand erst am Anfang, DigiCash kam nicht in die Gänge und musste Konkurs anmelden. (Glaser, Das verschwundene Netzgeld).

Der bisoziative Blitz

Der Kryptologe Nick Szabo (wir wissen nicht, ob dieser Name ein Pseudonym ist oder nicht) sah die größte Schwäche von DigiCash in dem Umstand, dass die Geldtransaktionen zentral abgewickelt wurden, also genau so, wie das im Fall von Transaktionen über eine Bank funktioniert.

Eine  zentralisierte Transaktionsabwicklung, sei allerdings immer vom Vertrauen in unbekannte Dritte abhängig. Szabo formulierte den Satz: Trusted strangers are security holes.

Was ist nun die Schlussfolgerung für uns?

Und damit wird Authentizität zu einem zentralen Begriff der gegenwärtigen Gesellschaft. Wir wollen wissen, was ist echt und was eine Fälschung. Geld, Kunst, Identitäten. In der Informatik bezeichnet Authentizität die Eigenschaften:

  • Echtheit
  • Überprüfbarkeit
  • Vertrauenswürdigkeit.

Bekannt ist das Problem der byzantinischen Generäle. Bei diesem Szenario belagern mehrere Generäle, die sich gegenseitig nicht vertrauen Byzanz und lassen sich gegenseitig Mitteilungen zukommen.

Gesucht sind nun Algorithmen zur sicheren Übertragung und Verifikation dieser Nachricht, da  der Absender oder der Inhalt der Nachricht von einem anderen gefälscht sein kann, Nachrichten (etwa durch einen abgefangenen Boten untergehen können), oder durch Fälschung ausgetauscht werden können.

Es reicht nicht aus, dass jeder X weiß.

Es muss auch jeder wissen, dass jeder X weiß, und jeder weiß, dass jeder weiß, dass jeder X weiss.

Aber wie sollte man das lösen, das Ausschalten einer zentralen Instanz? Wie können die Akteure authentifiziert werden?

Über zehn Jahre befasste sich Szabo mit kryptografischen Transaktionssystemen, die in dezentralen Netzwerken funktionierten und nannte sein Konzept „Bit gold“..

Star of Satoshi

Im Jahr 2008 wurde unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein – wie aus heutiger Sicht klar ist – bahnbrechendes Paper im Internet publiziert: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“.

Es stellte der Öffentlichkeit ein Zahlungs- und Transaktionssystem vor, das auf Basis eines kryptographischen Beweises in Peer-to-Peer-Netzwerken funktionierte und das es erlaubte, doppelte Transaktionen („dobble spending“) zu verhindern.

Die bei Satoshi vorgesehene Proof-of-Work-Kette bietet damit die Lösung für das Problem der byzantinischen Generäle. Damit, so schien es, war nun, eine vertrauenswürdige Autorität zur Transaktionsverifikation unnötig.

Authentizität

Authentizität ist Echtheit im Sinne des Originals. Und je mehr der Begriff der Authentizität in der Sprache der Codes gelöst wird, umso mehr scheint er im Gegenzug auch für unsere unmittelbare Wahrnehmung von Personen von Bedeutung zu werden. Wir finden Personen authentisch, deren Handlungen nicht durch äußere Einflüsse bestimmt werden, sondern in der Person selbst begründet sind, die gegen Gruppenzwang und Manipulationsversuche weitgehend immun sind. Eine Person, die ihre eigenen Stärken und Schwächen gleichermaßen annimmt, die nach den eigenen Werten handelt und dabei aufrichtig ist in dem Wissen, um die eigenen Schattenseiten.

Der Künstler Daniel Johnston gilt für viele andere Künstler als Vorbild in Sache „Authentizität“. Zu seinen großen Fans gehörten David Bowie und Kurt Cobain. Als Kind schon zeichnete Daniel Johnston ungewöhnliche Kreaturen mit blutunterlaufenen Augen, da flogen Köpfe durch die Luft, die brachen einfach vom Körper ab. Die Mutter mochte diese Zeichnungen nicht, fand sie einfach zu dämonisch. Und dann musste Daniel Johnston auch noch die Schule verlassen. Er kommt an die Kunsthochschule in East Liverpool (Ohio). Bleibt nicht, arbeitet im Vergnügungspark seines Bruders und als Tischabräumer bei McDonald‘s. Immer mehr zeigt sich, dass er psychisch schwer belastet ist. Manisch-depressiv. Und macht weiter Musik und verschenkt seine Lo-Fi-Kassetten an Freunde, immer auch vom Wunsch getrieben, wirklich bekannt zu werden. Und er begegnet Laurie, die er für den Rest seines Lebens in unerfüllter Liebe verehrt. Sein Satz: „Hi, how are you?“, mit dem er sie anspricht, wird zu seinem Markenzeichen. Und er verschwindet wieder für einige Zeit, macht weiter Musik. Aber Johnston hat große Probleme, wenn er auf der Bühne steht, weil ihn seine Psyche oftmals hindert.  Nach Aufenthalten in Kliniken lebt er wieder bei seinen Eltern. Einer der unzähligen Songs für Laurie wird zur Hymne aller Liebes-Suchenden: True love will find you in the End.

 

Was ist echt? Was ist Authentizität? Das hier könnte es sein …

 

 

©UBIFACTS/2017, Abb. E. Hödl