Noosphäre bei Teilhard de Chardin

Abb.: soler97/gemeinfrei

Der Jesuit, Paläontologe und Philosoph Teilhard de Chardin hat den Begriff der Noosphäre an der Sorbonne von Vernadsky kennen gelernt und baute ihn in seinem Werk „Der Mensch im Kosmos“ in Form einer umfassenden Theorie über die Kosmogenese aus.

So beschreibt der Jesuitenpriester im Jahr 1922 einen evolutionären Prozess durch Vernetzung. Teilhard de Chardin sah die Menschheit sich nach und nach ihrer Möglichkeiten bewusst werden und nahm die Vision der Globalisierung vorweg. Er bezeichnet sie als „Planetisierung“.

Für Teilhard de Chardin ist es die Vision einer Menschheit, deren Phantasien, Gedanken, Ideen, Entdeckungen, mit anderen Worten der Geist oder das Bewusstsein allmählich eine „Noosphäre“ weben. Teilhard de Chardin ging davon aus, dass in diesem Prozess die Kopplung zwischen den Individuen wächst, und dass diese daher von einer wachsenden Solidarität begleitet sein werde.

Für Teilhard de Chardin findet sich hier der Begriff der Liebe (einige sehen seine Hypothese durch die Lehre von der Trinität inspiriert, ein Gedanke, der nicht unwesentlich für das Verständnis des Konzepts der Noosphäre bei Teilhard de Chardin sein könnte, andere schließen nicht aus, dass auch seine langjährige Zuneigung zur Bildhauerin Lucile Swan zur Entwicklung des Liebesbegriffes beigetragen haben könnte. Vgl dazu den Briefwechsel zwischen den beiden, Günther Schiwy, Eine heimliche Liebe. Lucile Swan und Teilhard de Chardin, 2005 Freiburg).

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Teilhard spricht von der Verschmelzung des Einzelwesens mit einem größeren Ganzen und meint damit die Entstehung eines gedanklichen Gemeinwesens.

 

Noosphäre ist demnach eine Phase geistiger Entwicklung, in der die Menschheit zu einem einzigen Geist zusammenwächst. Der Geist webt den Teppich der Noosphäre und breitet ihn aus. Demnach erleben wir einen „Wechsel der Zeitalter“, das Zeitalter der Industrie, des Erdöls, der Elektrizität und des Atoms wird abgelöst vom Zeitalter der großen Kollektive und der Wissenschaft.

Die Verbindung aller denkenden Elemente der Erde lässt sich im Sinne eines riesigen psycho-biologischen Vorgangs deuten, die Teilhard als Mega-Synthese im Tangentialen bezeichnet.

Immer mehr Komplexität – daher noch mehr Bewusstsein. Die Entwicklung der Erde wird als ein Prozess an Zunahme an Komplexität auf materieller Ebene begriffen und ist zugleich auch eine Zunahme an Zentriertheit auf geistiger Ebene.

Rezeption in der katholischen Kirche

Teilhard de Chardin stellte auf die Evolutionstheorie der Biologie ab und versuchte das christliche Weltbild aus der jahrhundertealten Erstarrung zu lösen und auf eine moderne Basis zu stellen.

Wissenschaft und Glaube sollten gleichermaßen von seiner These umfasst sein. Er stellte sich gegen biblischen Fundamentalismus und gegen religiösen Kreationismus. Die Veröffentlichung einiger seiner Werke wurde vom Vatikan zu Lebzeiten untersagt.

Posthum erfuhr sein Werk kirchenintern größere Anerkennung, blieb aber nicht unumstritten.

Literatur und Kunst

Folgende Werke der Kunst und Literatur wurden von Teilhards Begriff der Noosphäre inspiriert:

Der US-amerikanische Science Fiction Autor Philip K. Dick greift die Idee mehrfach auf, unter anderem im Roman Ubik aus dem Jahr 1966. Das philosophische Konzept Teilhards wird auch bei der Science Fiction Autorin Julian May in Galactic Milieu Series sowie im Theaterstück Fake des US-amerikanischen Regisseurs Eric Simonson thematisiert.

Pierre Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos3, München 2005.

 

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