Allerorts finden sich mobile, ubiquitäre, informatorische Systeme. Technische Systeme organisieren sich heute selbst mittels automatisierter Verfahren und können immer besser und öfter eigenständig Situationen interpretieren. Diese sammeln, verknüpfen und verarbeiten Daten. Auf diese Weise wird die gesamte physikalische Umwelt informatorisch aufgeladen.

Sie verknüpfen sie mit lokalen und globalen Datenbanken und Informationssystemen und inmitten dieser Infrastruktur erlebt sich das Individuum als medialisiertes Selbst.

Kommunikation kann nicht mehr auf linearen und enzyklopädischen Wissenskonzepten beruhen, denn komplexes und zusammenhängendes Wissen im Ubiquitous Computing bedarf eines fraktalen und hypertextuellen Verfahrens bei der Organisation von Informationen.

(Vgl Wiegerling, Philosophie intelligenter Welten, München 2011; Floyd, Menschsein in der informatisierten Gesellschaft – zur Virtualisierung des Selbst, in: Bittner/Woinowski (Hrsg), Mensch – Informatisierung – Gesellschaft, Münster 1999.)

Abb Wikiüedia/gemeinfrei
Detailansicht der Mandelbrot-Menge

 

Folgen der Fraktalisierung

Fraktalisierung schafft Wissenseinheiten, die im persönlichen Verfahren des Einzelnen wieder zusammengesetzt werden können. Jeder physische Gegenstand, und nicht zuletzt auch der menschliche Körper wird zur medialen Apparatur, die gesamte Mesosphäre erhält auf neuartige Weise ein Gedächtnis.

Netzkinder

Der polnische Dichter Piotr Czerski hat den in der Netzgemeinschaft vielbeachteten Text „Wir die Netzkinder“ verfasst. Er spricht von einem grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Der gemeinsame Kontext einige nicht für sich, das Einigende entstehe durch das Gefühl, diesen Raum frei definieren und gestalten zu können.

Folgende Entwicklungsschritte seien mit diesem Prozess verbunden:

  1. Die Generation der Netz-Kinder sei mit dem Internet aufgewachsen, daher „surfe“ diese Generation nicht mehr im Internet, das Internet sei kein Ort der Virtualität mehr, keine externe Erweiterung des Menschen, sondern Netzkinder verstehen sich vielmehr als Teil des Netzes.
  2. Das Netz sei eine unsichtbare, jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Lebensumgebung verflochten sei. Informationen werden im Netz gefunden, selektiert und gefiltert. Werden Experten benötigt, werden sie im Netz gefunden. Das heißt aber zugleich, dass alle Erfahrungen des Lebens mit dem Internet selbst verbunden sind.
  3. Es sei von einer globalen Kultur auszugehen, einer Identität, die aus dem Ozean der Gemeinsamkeit kultureller Ereignisse schöpfe. Kultur sei damit global und individuell gleichermaßen. Kulturelle Güter müssten weiter gegeben werden, Zwischenhändler würden an Bedeutung verlieren.
  4. Ebenso sei es ein Wandel im Umgang mit dem Staat. Die Gesellschaft sei als Netzwerk zu begreifen, in der Hierarchien an Bedeutung verlieren. Das Leitmotiv der Netzkinder sei das Prinzip der Freiheit (Redefreiheit, Freiheit im Zugang zu Informationen und Freiheit in der Kultur).

Ergebnis der Subsumtionshandlung

Die Netzkinder finden ihre Identität in der Vernetzung und erkennen, dass die Gesellschaft als Netzwerk zu begreifen ist. Ziel wird nicht zuletzt die Herstellung von Symbiosen auf verschiedensten Organisationsebenen der Gesellschaft sein. Partnerschaften und kollektive Intelligenzen entstehen.

Diese Bedeutungsverschiebung zum Ganzen, macht jeglichen Kontext zugleich zu einem poetischen Territorium, denn es sind neue Formen der Kommunikation, die von nun an bedeutsam werden: die post-symbolische Kommunikation  (siehe dazu Jaron Lanier) oder die telegenetische Kommunikation.

Abb.: Wikipedia/gemeinfrei

 

@UBIFACTS/2013