Mindfulness (Achtsamkeit) bedeutet Aufmerksamkeit für das zu haben, was im Moment passiert. Achtsamkeit ist damit eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Mit zunehmender Achtsamkeit können automatisierte Reaktionen auf das Erlebte reduziert werden, was zu einem höheren Maß an situationsadäquatem, authentischem und selbstbewusstem Handeln führen kann.

Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor für Medizin, Gründer und langjähriger Geschäftsführer des „Center for Mindfulness – in Medicine, Health Care and Society (CFM)“, hat den Begriff der Mindfulness als etwas sichtbar gemacht, das weit über die Meditation hinaus geht. Kabat-Zinn spricht von einer Lebenshaltung: „Viel Leid entsteht durch den eigenen Lebensstil, sohin durch die Art wie wir miteinander umgehen. Weisheit und Mitgefühl sind Fähigkeiten, die den Menschen zum homo sapiens sapiens machen, also die Art, die weiß, dass sie weiß, dass sei ein Bewusstsein hat“.

Mindfulness sei kultivierbar durch Meditation und andere Handlungen der Wachsamkeit des Denkens und Fühlens in Bezug auf die eigenen Verhaltensmuster.

Tatsächlich ist Meditation ein radikaler Akt des Verstandes, denn was gefordert wird, ist ein disziplinierter Umgang mit den eigenen Gedanken, die oftmals rasend und rotierend nicht zur Ruhe kommen wollen. Der buddhistische Mönch Ajahn Brahm, der Bücher zur Schulung der Achtsamkeit geschrieben hat, würde zu diesem Phänomen sagen: „Sie sind ein Kontrollfreak – deshalb können Sie nicht still sitzen!“

Was hat Mindfulness mit vernetzten Computersystemen zu tun?

Bei der Schärfung der Achtsamkeit geht es nicht nur um das eigene Leben, sondern um das Bewusstsein darüber, wie sehr der Einzelne in jedem Moment auch mit der gesamten Umwelt verbunden ist. Wir erkennen, dass wir immer mehr von Computern umgeben sind und viele unserer Lebensumstände von Computerleistungen beeinflusst, oder gar schon vollkommen bestimmt werden. Unter diesem Aspekt können wir die Automatisierung als bevormundend und dominant erleben. Viele Menschen fühlen sich auch durch die Zunahme der Geschwindigkeit erschöpft, die im techno-organischen Kosmos sprunghaft zunimmt.

Computerprogramme und Algorithmen bestimmen in immer mehr Lebensbereichen das Leben der Menschen. Wir können vom Automatismus des Lebens eingefangen werden. Und dann wird es sehr einfach, das Leben zu verpassen. Mindfulness ist unter diesem Aspekt die Beziehung zur Welt, alles was wir tun.  Und hier ist die Frage, wie groß unsere Bereitschaft ist, präsent zu sein.
IT-Infrastrukturen sind immer öfter böswilligen Angriffen von außen ausgesetzt. Oft ist es der Mensch, der durch ein entsprechendes IT-Sicherheitsbewusstsein eine Attacke verhindern kann. Mindfulness öffnet einen sechsten Sinn, indem Wachsamkeit entsteht für das, was stattfindet und was zu tun ist.
Computerprogramme folgen strengen und genau definierten Codes. Schritt für Schritt ist definiert, was passieren soll. Unter diesem Aspekt betrachtet, sind Computer keine eigenständigen schöpferischen Wesen. Mindfulness kann helfen, uns von alten Mustern zu befreien und eröffnet unterschiedliche Wege, Aufmerksamkeit zu üben – sie ist damit der Schlüssel zur Kreativität.
Trotz ihrer Nähe zum Menschen sind Computer Maschinen.  Mindfulness macht lebendig.

 

Mindfulness erstmals in einem Parlament behandelt

Im Oktober des Jahres 2015 wurde der Report „A Mindful Nation UK“ im britischen Parlament vorgestellt. Der Report definiert Mindfulness, als die Aufmerksamkeit gegenüber dem, was im Moment stattfindet, im eigenen Geist, im Körper und in der Umgebung. Mindfulness steht in Verbindung mit den Begriffen der Aufmerksamkeit und des Wohlwollens.

Das Ziel des Reports ist es insbesondere, vorhandene Kapazitäten und Ressourcen des Menschen und der Gemeinschaften besser zu nutzen. Vier Bereiche werden näher beleuchtet:

  • Gesundheitssektor – es habe sich gezeigt, dass Meditation sich positiv auf die Gesundheit auswirke, Menschen länger leben würden, wenn sie meditieren und sich im Hinblick auf den Umgang mit Depressionen positive Entwicklungen zeigen würden.
  • Bildungssektor – da Meditation geeignet sei, Konzentration und Aufmerksamkeit zu stärken, habe man versucht, sie vermehrt in die Bildungslandschaft zu integrieren.
  • Strafvollzug – zur besseren Handhabung von Aggressionen und als Strategie gegen Selbstverachtung seien meditative Übungen im Strafvollzug und zur Resozialisierung als geeignet erachtet worden.
  • Arbeitsplatz – Meditation könne beim Stressabbau helfen aber auch das Selbstwertgefühl heben.
    • Folgende Unternehmen haben laut des Reports Mindfulness-Programme installiert: Google, Transport for London, Bosch Beiersdorf, The Financial Innovation Lab.
    • Auch im Fall eines Arbeitsplatzverlustes habe sich gezeigt, dass der Selbstwert der Betroffenen höher sei und sie sich resilienter verhalten konnten.

Forschung zur Mindfulness

Das Oxford Mindfulness Center forscht und lehrt ebenfalls zum Thema Mindfulness.

Der Hirnforscher und Gründer des „Center for Healty Minds“ an der Universität von Wisconsin-Madison Richard Davidson hat sich mit der Frage befasst, ob man die Auswirkungen von Meditation im Gehirn des Menschen messen kann. Seine Arbeiten zeigten, dass Meditation – und insbesondere die Mitgefühlsmeditation – die allgemeinen Fähigkeiten der Empfindsamkeit verbessert.

Er berichtete, wie er lange Zeit für sich allein im Stillen meditierte. Seinen Freunden und Kollegen erzählte er zunächst nichts davon. Erst nachdem er dem Dalai Lama begegnet sei, habe er auch auf wissenschaftlicher Ebene das Thema näher zu erforschen begonnen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Abb.: gemeinfrei

Herzlichkeit ist Mindfulness. Herz ist Geist.

Die blaue Blume der Romantik verbindet nicht nur Natur, Mensch und Geist, sie symbolisiert das Streben nach der Erkenntnis der Natur – und daraus folgend symbolisiert sie das Selbst.

Das Denken basiert in der Romantik auf der persönlichen Liebe und das „Selbst“ verkörpert das Fühlen, das Denken des Einzelnen, letztlich also das Ich im Kosmos.

 

 

 

Abb.: Mariam Severin, Wikipedia gemeinfrei (startbild); geralt, cco public domain piabay, (universum), Wikipedia gemeinfrei (blaue blume)

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