Kunst im Roboterzeitalter

Abb.: ubifacts

Virtuelle und reale Welt verschmelzen immer mehr und so tritt in der Gegenwart eine neue Art von Maschine auf den Plan: autonome und teilautonome Systeme, die in der Lage sind, ohne menschlichen Input sachgerecht und zielführend auf neue Umweltbedingungen zu reagieren. Dies passiert in Medizin, Mobilität, Pflege, Service, Spiel und Militärrobotik gleichermaßen.

Was, so müssen wir uns fragen, wird unsere Aufgabe als Menschen inmitten dieser Systeme sein? Die Kunst zu pflegen, ist meine Antwort.

Roboter-Ära

Das Ende des Informationszeitalters könnte mit dem Anfang der Roboter-Ära zusammenfallen. Aber es wird keine Welt sein, in der Androiden neben uns zu Fuß durch die Straßen laufen. Informationstechnologie und Robotik werden vielmehr schleichend verschmelzen und tun es längst. Aber wir Menschen werden das erst bemerken, wenn Roboter ihre umfassenden Tätigkeiten längst aufgenommen haben werden

Ein Beispiel: Das Investmentunternehmen Deep Knowledge Ventures hat einen  Computer-Algorithmus zum sechsten Vorstandsmitglied gewählt. Dieser soll mit dem gleichen Einfluss wie seine fünf menschlichen Kollegen darüber entscheiden dürfen, in welche Firmen das Unternehmen investiert. Und wenn diese Meldung bis zu einem gewissen Grad werbetechnischen Charakter haben mag, ein Richtungsweiser ist sie allemal.

Gleichzeitig wissen wir um die Auswirkungen ungebremsten Effizienzstrebens Bescheid. Der Nobelpreisträger Amartya Sen ging in seinem weltberühmten Aufsatz „Rationale Trottel“ hart mit dem gewinnmaximierenden Modell des Homo oeconomicus ins Gericht. Sen fragt nach der Angemesseneheit des begrenzten Menschenbildes, das der Homo oeconomicus repräsentiert.

Unsere Aufgabe wird es sein, im Zuge der Integration von Informations- und Robotertechnologie Vorschläge für neue wissenschaftliche und technologische Konzepte zu liefern. Wie sollen sozio-technologische Designs gestaltet sein? Oder anders gefragt: Wie effizient wollen wir werden?

Fragen wir die Musen

Blicken wir auf das Prometheus-Ballett Beethovens: dort wird geschildert, wie Prometheus Tonfiguren formt, ihnen Leben einhaucht und sich dann wundert, dass sie ihn nicht lieben. Die Figuren springen herum, sie können alles, was Menschen können – nur das Gefühl der Liebe, ihn als Vater akzeptieren, das fehlt ihnen.

Aber durch das Zusammentreffen mit den Musen beginnen sie ihn zu lieben und so werden sie zu warmen, liebenswerten Geschöpfen. Musen und Kunst,  machen den Menschen zu einem wahrhaft intelligenten Wesen. Kunst ist produktiv, innovativ, chaotisch, setzt auf neue Bedeutungen und Botschaften und birgt zugleich immer auch den Risikofaktor Skandal. Kunst hebt sich von effizienten Strukturen durch ihre Neigung zur Regelverletzung ab. Kunst will sich nicht der Effizienz unterordnen. Kunst besteht zu einem Teil sogar aus ausgesprochener Verschwendung.

Abb.: Wikipedia/gemeinfrei
Auch Apoll mochte die Musen

 

Was wirklich zählt ist Intuition, hat Albert Einstein uns gelehrt. Intuition ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes zu erlangen. Intuition steht letztlich hinter aller Kreativität. Oder anders gesprochen: Je komplexer die Situation, umso nützlicher ist Intuition.

Im heraufdämmernden Roboterzeitalter werden Kunst und Intuition von unschätzbarem Wert bei der Definition des Menschenbildes sein. Künstlerische Aktivitäten und philosophische Spekulation erlauben es uns nämlich, die wesentlichen Eigenschaften von Mensch und Gesellschaft zu verstehen.

Und zum Abschluss für alle Liebenden unter uns Nick Cave und PJ Harvey: Henry Lee.

 

Abb.: Ubifacts

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