In der dritten Dekade des Informationszeitalters erscheint ein medial aufgerüsteter Mensch, der sich inmitten einer hochtechnisierten Infrastruktur angesiedelt sieht, allseits und gegenwärtig von Computerleistung umgeben und unterstützt. Menschen bewegen sich in „smarten“ Umgebungen, tragen „smarte“ Kleidung, integrieren RFID-Chips in Körper aller Art – auch in die eigenen – und nutzen eine universelle Sprache.

Im Ubiquitous Computing können Menschen und Dinge Informationen in einer universellen Sprache weitergeben. Die Universalität der Sprache wird im technischen Sinn durch die Standardisierung von Protokollen möglich. Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Kybernetik haben das Kommunikationsmodell der Nachrichtenübertragung entstehen lassen, demzufolge Botschaften von einem Sender in einem Zeichensystem codiert, als Nachricht auf einem Kanal unter Störeinflüssen zu einem Empfänger übertragen und von diesem unter Verwendung des gleichen Zeichensystems dekodiert werden.

Der Standardisierung technischer und menschlicher Kommunikation kommt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Ubiquitous Computing zu. Die Europäische Kommission hat in der Mitteilung zum „Internet der Dinge“ (KOM (2009) 278end. ABL Nr. C 255 vom 22/09/2010 S 0116-0120) vor der Gefahr eines „kybernetischen“ Turms zu Babel gewarnt.

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Die Sprache der digitalen Spiegelungen und Piktogramme wird universell

In dem Science-Fiction Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson wird der Mythos der babylonischen Sprachverwirrung in ein historisches Ereignis umgedeutet, in dem die Kommunikation durch einen Virus absichtlich unterbrochen wird. Dieses Ereignis wird zum Ursprung des Bewusstseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche, so das kontrovers diskutiert Hauptwerk des amerikanischen Psychologen Julian Jaynes, auf den sich Stephenson stützt.

Standardisierung

Kommunikation wird nur möglich – und zwar weltweit – wenn technische Kommunikation standardisiert wird. Dies zeigt sich etwa in dem Umstand, dass die materialisierten Standards der TCP/IP-Protokolle das eigentliche Internet darstellen: Wer sich nicht an die Standards hält, ist ausgeschlossen.

Das globale Ausmaß der Kommunikation verleiht den Standards Akzeptanz und Verbreitung. Normungsinstitute sind aufgerufen, für die Interoperabilität der Systeme zu sorgen. Mit den Worten der Europäischen Kommission gesprochen: „Es müsse sichergestellt werden, dass ein Kühlschrank in China erfolgreich mit einem Supermarktregal in Frankreich das mit Danone-Joghurtbecher bestückt ist, kommuniziert. Die Normung muss (…) unter Berücksichtigung der Vielfalt und Besonderheiten der Sprachen, Kulturen und Traditionen der einzelnen Länder erfolgen“. (KOM (2009) 278end. ABL Nr. C 255 vom 22/09/2010 S 0116-0120.)

Kommunikation steht hier  für Koordination. Und da dies global funktionieren muss, entsteht ein Raum universeller Sprache. Die computervermittelte Kommunikation erstreckt sich zugleich auf alle denkbaren Territorien des Lebens. Durch Kommunikation entsteht fortschreitende Gemeinsamkeit. Im Ubiquitous Computing werden Kommunikationsprozesse unter Einbeziehung des künstlerischen und kreativen Potentials erweitert und führen zu einem irreversiblen Zusammenwachsen unzähliger technischer und organischer Netze.

Damit werden zugleich aber auch Stück für Stück gedankliche Räume besetzt, in verdichteten Inseln, Knoten und Netzen.

Die Noosphäre wächst weiter.

 

Abb 1.: Linda, Williams, Hard Core: Power, Pleasure and the Frenzy of the Visible (University of California Press, 1989). Abb2.: Ubifacts.

 

@UBIFACTS/2013