Woher kommt dieser Begriff? Die Spur führt zu Wladimir Vernadski. Vernadski (auch Wernadskijs) lebte von 1863-1945, sein Vater war ein bekannter Intellektueller und Professor für politische Ökonomie, seine Mutter war Sängerin. Vernadsky hatte Chemie, Kristallographie, Mineralogie und andere naturwissenschaftliche Disziplinen in St. Petersburg studiert.

Er galt als Universalgelehrter seiner Zeit und gründete Institutionen und Forschungsprojekte, darunter das Kernenergieprogramm der Sowjetunion. Dass die Kernenergie die Beziehung des Menschen zur Natur nachhaltig verändern würde, war ihm bereits 1910 klar geworden. Seine politischen Interessen richteten sich auf die Allgemeinbildung sowie auf den wissenschaftlichen Fortschritts Russlands, der Ukraine und sämtlicher Nationen. Vernadsky hat die Wortschöpfung „Noosphäre“ an das Modell der Biosphäre angelehnt. Die lebende Schicht, BIOS, die die Erde umgibt, durch Einsetzen der Wurzel „noos“ für Geist, Seele, Gedanken.

Im Zuge seiner geologischen Interessen wurde ihm klar, dass lebende Organismen Stoffe der Umgebung aufnehmen, diese mit Hilfe des Sonnenlichts wandeln und Teile der umgewandelten Stoffe in den eigenen Organismus aufnehmen. Stirbt ein Lebewesen, wird sein Organismus zur Quelle dessen, was Vernadsky den „biogenen Fluss“ oder Fluss umgewandelter Materie und Energie in der Biosphäre nannte. Nicht nur mineralische Ablagerungen entstehen durch die Einwirkung lebender Organismen, sondern auch die gesamte chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre, der Ozeane und der Erdoberfläche.

Als Ganzes betrachtet ist die Biosphäre nach Vernadsky somit ein natürliches Produkt des Lebensprozesses.

Mit dieser Erkenntnis eröffnete sich für Vernadsky eine neue Welt. Nicht die Frage, was ist Leben, sondern die Frage, was bewirkt Leben, trat nun in den Mittelpunkt seines Interesses. Die Frage wurde weiter präzisiert: Was ist die Wirkung sämtlicher Lebensvorgänge zusammengenommen auf die Geologie und Chemie der Erde? Vernadsky definierte die Biosphäre als einen Bereich der Erde, die von lebenden Organismen bewohnt wird. Er betrachtete die Gesamtheit aller Lebewesen, also die lebende Materie insgesamt und untersuchte deren Auswirkungen auf die Biosphäre.

Vernadsky fragte sich weiter, was der Einfluss sozialer Aktivitäten des Menschen auf die Entwicklung der Biosphäre in Folge bedeutet. Die wirtschaftlichen Aktivitäten der menschlichen Gesellschaft, wie industrielle Produktion, Bergbau und Infrastrukturen, die Erzeugung und Verteilung von Energie, Wasser und Verkehrsnetze hatten im Laufe der Geschichte das Wachstum und die Entwicklung der Biosphäre beschleunigt.

Die freie Energie der Biosphäre sowie die Fähigkeit des Menschen, diesen Effekt der Biosphäre fortzuführen und auszudehnen (durch Ideen in Form grundlegender wissenschaftlicher Entdeckungen, sowie Ideen, die sich technologisch anwenden lassen und Prinzipien der klassischen Kunst und Staatskunde), führen zu einem neuen Entwicklungsschritt der Menschheit. Es handelt sich um ein neues Stadium der Biosphäre, die durch die Weitergabe von Ideen angetrieben wird. Die Noosphäre bei Vernadsky ist damit Ausdruck eines spezifischen Prinzips, das sich vom Leben selbst unterscheidet und darüber hinaus geht. Durch den Geist der Menschen wächst das, was sich Noosphäre nennt.

In Vernadskys Schrift „Die Biosphäre und die Noosphäre“ (publiziert im Amercan Scientist im Jahr 1945) erklärt der russische Wissenschaftler daher: „Die Noosphäre ist das letzte von vielen Stadien in der geologischen Geschichte der Evolution der Biosphäre (…)“.

Und so hat im Universum des Ubicomput jedes Wesen eine Vorstellung davon, wie die Noosphäre einzuschätzen ist.

So heißt es bei Dandy (und hier erkennen wir auch seine intellektuellen Ambitionen):

„Was wird nach der Relativierung der Kultur sichtbar? Die Relativierung der biologischen Normen. Das ist der Übergang zu einer biosphärischen Noosphäre. Der Cyberspace erscheint jetzt als technischer Übergang zur Verfeinerung des menschlichen Geistes. Es ist die psychosoziale Ära, in der die Idee der Vergeistigung der Materie nicht mehr länger bezweifelt wird, sondern als Basis und Substrat allen sozialen Handelns gilt. Der Erdball aber ist mit leuchtenden Punkten übersät, das dunkle Gesicht des Planeten beginnt im Wesen der Ultramenschheit zu glitzern und alles ist in Bewegung. Das intelligente Gefüge hat sich als vereinender, planetarer Organismus erkannt und hat nun die territorialen und ethnischen Trennungen überwunden. Der telepathische Kreislauf bedarf keiner Ethik. Die kosmische Organisationsstruktur hat eine eigene Grammatik.“

Und Randy sagt: „die Noosphäre bildet das Bewusstsein des Planeten. Mit Hilfe der kollektiven Intelligenz kann der Planet jetzt nicht nur über sich selbst nachdenken, sondern das gesamte Universum hat die Möglichkeit über sich selbst zu reflektieren.“

Abb.: Vernadski/gemeinfrei
Vernadski

Quellen und Nachweise:

Vgl. Levit, Biogeochemistry – Biosphere – Noosphere. The growth of the theoretical system of Vladimir Ivanovich Vernadsky. in: Studien zur Theorie der Biologie. Bd. 4, VWB, Berlin 2001. Vgl. Tennenbaum, Von Keplers Weltenharmonie zu Wernadskijs Noosphäre, Fusion 3/2001. Daraus zog er folgende Schlussfolgerungen:

„A. Im Laufe der biologischen Evolution hat die gesamte „freie Energie“ lebender Materie in der Biosphäre – ihr Potential, bei der Umwandlung der Umwelt Arbeit zu leisten – beständig zugenommen. Es gibt kein natürliches Gleichgewicht, wie die kultischen Ökologen glauben, sondern die Biosphäre bewegt sich immer weiter vom Gleichgewicht weg.

B. Infolge dieser Zunahme freier Energie ist die lebende Materie zur mächtigsten geologischen Kraft der Biosphäre geworden – selbst wenn die gesamte Masse lebender Organismen nur ein kleiner Bruchteil der gesamten wachsenden Materiemenge bleibt, die direkt und indirekt durch ihre Aktivität innerhalb der Biosphäre beeinflußt wird.

C. Diese spezifische gerichtete evolutionäre Entwicklung, die zu einer ständigen Zunahme freier Energie lebender Prozesse in der Biosphäre führt, ist einzigartig für lebende Organismen, im nichtlebenden Bereich kommt sie nicht vor. Während der biologischen Erdgeschichte sind die Grundprozesse in der nichtlebenden Materie der Biosphäre über Milliarden von Jahren praktisch unverändert geblieben, außer wenn sie durch den Einfluß lebender Organismen modifiziert wurden.“

Tennenbaum, Von Keplers Weltenharmonie zu Wernadskijs Noosphäre, Fusion.

Abb.: Vernadski/gemeinfrei, Wikipedia/publicdomain

 

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