Mit der Vernetzung verschmelzen immer mehr Lebensbereiche und damit verschwinden jene Grenzen, die für Privatheit notwendig sind. Durch die Möglichkeit, Daten zu sammeln, zu vernetzen und Profile zu erstellen, wird es immer einfacher, Personen zu identifizieren, wodurch Anonymität zunehmend verloren geht.

Im Ubiquitous Computing verschwimmen natürliche, soziale, zeitliche, räumliche und persönliche Grenzen immer mehr. Was aber ist mit diesen Grenzen gemeint?

  • Natürliche Grenzen: Gemeint sind physikalische Grenzen (Wände, Türen, Kleidung, aber ebenfalls auch verschlossene Briefe oder Räumlichkeiten wie Telefonzellen).
  • Soziale Grenzen: Hier geht es um die Erwartung, dass Mitglieder bestimmter Gruppen oder bestimmter sozialer Rollen (wie Familienmitglieder, Ärzte, Rechtsanwälte) gewisse Rollenerwartungen erfüllen.
  • Zeitliche und sozial-räumliche Grenzen: Für gewöhnlich erwarten wir, dass Menschen, die Teil unseres Lebens sind, in zeitlichen und sozialen Räumen voneinander getrennt sind. (Das betrifft etwa eine wilde Zeit der Pubertät, die vielleicht mit dem Bild, das ein späterer Familienvater von sich hat, nicht mehr übereinstimmt. Oder es geht um verschiedene soziale Gruppen wie Arbeitskollegen oder Freunde aus der Kneipe.)
  • Grenzen aufgrund von vorübergehenden oder leichtfertigen Handlungen: Eine unreflektierte Handlung, von der man hofft, dass sie möglichst rasch wieder vergessen sein möge.

(Vgl. Friedewald/Lindner, Datenschutz, Privatsphäre und Identität in intelligenten Umgebungen: Eine Szenarioanalyse, in Mattern (Hrsg), Die Informatisierung des Alltags. Leben in smarten Umgebungen, Zürich 2007, 209.)

Was aber ist Anonymität?

  • Anonymität als Nebenprodukt von zwischen Fremden sein.
  • Anonymität als Nebenprodukt eines sozialen Ortes, der nicht zwangsläufig mit anderen verbunden ist (Arbeitsplatz und Privatleben).

Anonymität liegt dann vor, wenn eine Person nicht anhand folgender Kriterien identifiziert werden kann:

  • Gesetzlicher Name
  • Lokalisierbarkeit (Adresse)
  • Alphanumerische Symbole (zB. Matrikelnummer, Personalausweisnummer)
  • Verlinkbare Pseudonyme
  • Wissensprofile
  • Verhaltensmuster
  • Soziale Kategorisierung

Unter Lokalisierbarkeit ist auch die Position im Netzwerk aufgrund sozialer Verhältnisse zu verstehen (Merkmale). Anonymität ist daher die Unmöglichkeit, Merkmale mit anderen bekannten Merkmalen zu verknüpfen. Es kann somit Anonymität in Bezug auf eine Gruppe (Öffentlichkeit) geben, während die gleiche Person anderen (etwa der eigenen Familie) bekannt ist. Ein Beispiel dafür ist Ted Kaczynski, der seiner Familie viele Jahre bekannt war, ehe die Familie überhaupt den Verdacht hatte, dass er der Unabomber (university and airline bomber) sein könnte.

Fazit

Der Verlust der Anonymität ist den Nutzern im Ubiquitous Computing immer weniger bewusst, weil das Verschwimmen der Grenzen unmerklich immer mehr zunimmt.

Anonymität hat etwas mit Privatsphäre zu tun und stellt einen entscheidenden Faktor für Selbstbestimmung dar.

Anonymität bedeutet nicht, dass überhaupt keine verbundenen Merkmale vorliegen, aber dass im relevanten Kontext die Koordination dieser Merkmale durch andere nicht möglich ist, etwa weil diese geschützt oder abgetrennt sind.

Die Isolation eines Merkmals von anderen Merkmalen macht aus, was eine Person anonym macht. Der Begriff der Anonymität ist daher von dem der bloßen Unbekanntheit zu unterscheiden. Es kann einen unbekannten Autor geben, der nicht mit dem anonymen Autor gleichgesetzt werden kann.

 

Abb.: ubifacts/gemeinfrei

 

©UBIFACTS/2014